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Interwiew

Irene Salzmann sprach mit J. Heinrich Heikamp.

Wer sich ein wenig in der Literaturszene auskennt, für den ist J. Heinrich Heikamp kein Unbekannter. Schon seit Jahren schreibt er als freier Journalist für die Lokalpresse, publiziert Gedichtbände, Anthologien und Romane, er ist Herausgeber des „Kultur-Herold“ und setzt sich besonders für die Förderung deutscher Comic-Zeichner ein.

Für diejenigen, die Dich nicht näher kennen: Wer ist J. H. Heikamp?

Nun ja, ich bin nunmehr 36 Jahre alt, und begehe dieses Jahr mein 20jähriges Schriftstellerjubiläum, weil am 29. April 1981 mein erstes Gedicht in einer Lokalzeitung erschien. Da war ich also 16 Jahre alt. Im Laufe dieser 20 Jahre habe ich unter meinem bürgerlichen Namen (das J. steht übrigens für Johann) vier Bücher veröffentlicht, vier Comic-Hefte und zahlreiche Beiträge für Zeitungen, Zeitschriften und den Hörfunk produziert.
Daneben war und bin ich als Werbe- und Pressetexter aktiv. Und was wohl kaum einer weiß, daß ich so ganz nebenbei auch ganz erfolgreich als literarischer Agent war und bin. Ich hoffe aber, daß niemand böse ist, wenn ich keine Namen nenne.

Du wurdest unlängst mit einem Preis geehrt.

Stimmt, im Bereich der Lyrik wurde ich ja schon oft für irgendwelche Preise nominiert, aber erst im Jahre 2000 erhielt ich dann den Literaturpreis der Gemeinde Rommerskirchen für meinen Gedichtband „Frankfurter Reise“ und den literarischen Comic „Abend am Drachenfelsen“ (beide erschienen im G. Meyer Verlag, Hanau). Obwohl ich normalerweise nicht unbedingt auf den Mund gefallen bin, bekam ich bei der Verleihung kaum ein Wort heraus, so ergriffen war ich. Es war ein großer Moment, und sogar meine Eltern und meine (Ex)frau waren unheimlich stolz. Und auch, wenn ich in meinem Leben noch weitere Preise erhalten sollte (man darf ja träumen, oder? grins), wird dieser wohl der Wichtigste bleiben.

Besonders am Herzen liegen Dir nach eigener Aussage der Comic und die Förderung deutscher Talente, denen hierzulande selten eine Chance eingeräumt wird. Deine Begeisterung für diese Gattung der Unterhaltungslektüre führte dazu, daß Du mit Markus T. Schönrock das Germania-Comic-Team gegründet hast. Du zeichnest zwar nicht selbst, aber Du hast mit Markus zu einigen Comics die Texte geschrieben.

 Markus und ich gründeten das Germania-Comic-Team, um unsere Ideen und Vorstellungen vor allem von deutschen Superhelden-Comics zu verwirklichen. Natürlich war alles am Anfang nur ein reines Hobby und der Spaßfaktor groß. Seit etwa 1995 aber konkretisierte sich alles, und wir arbeiteten immer professioneller. Dazu kam es natürlich, daß sich unserem Team immer mehr Zeichner und Autoren aus der ganzen Bundesrepublik anschlossen. Mit derzeit offiziellen 15 Leuten gehören wir wohl zu den stärksten Gruppen in der Comic-Szene. Und wir wachsen weiter. Trotzdem publizieren wir unsere Comics nachwievor nur nebenberuflich, auch wenn das GCT inzwischen ein ganz offizielles Gewerbe ist.

Läßt man den bereits wieder abgeflauten Superhelden-Boom der 90er und das gegenwärtige Interesse an Mangas und Animes, das seinen Zenit auch schon wieder erreicht haben dürfte, außer acht, so gaben und geben deutsche Leser doch eher den lustigen oder phantastischen Comics aus der francobelgischen Szene („Asterix“, „Spirou und Fantasio“, „Lanfeust von Troy“) und dem witzigen oder bissigen Cartoon / der Karikatur (Moers „Das kleine Arschloch“, Ulli Steins „Mäuse“, Haizinger) den Vorzug.„Windkönig“ ist eine deutsche Superhelden-Serie. Wieso gerade ein Superheld, der doch ein amerikanisches Phänomen ist, für das die hiesige Mentalität eigentlich nie ein Bedürfnis entwickelte?

Bemühungen, deutsche Superhelden zu entwickeln, gibt es ja schon seit den 60er Jahren. Also muß es ja wohl durchaus ein Bedürfnis gegeben haben. Allerdings haben alle unsere Vorgänger den Fehler gemacht, die Amerikaner nur zu kopieren und keine wirklich eigenständigen Figuren zu entwickeln.
„Windkönig“ hatte ich im Prinzip schon als Kind im Kopf und habe dieser Figur dann 1989 endlich Leben eingehaucht. Zusammen mit Markus T. Schönrock entwickelte ich ein Konzept, welches wirklich auf deutsche Verhältnisse zugeschnitten ist. „Windkönig“ ist eine eigenständige Figur, hat einen deutschen Namen, spielt im hier und heute und an realen Orten (Bochum).
Daß Deutschland tatsächlich erster deutscher Superheld auch noch im bürgerlichen Leben schon Mitte Dreißig, verheiratet und Familienvater (zwei Söhne) ist, gibt, wie wir glauben, dem Ganzen noch die Würze.
Das Interesse, welches uns von den Jugendlichen und auch von der Presse entgegengebracht wird, zeigt uns, daß wir auf dem richtigen Weg sind. Neben „Windkönig“ bereiten wir mit „Germania“ (nach dieser Figur haben wir uns ja benannt) gerade die zweite Superhelden-Serie vor, und daneben produzieren wir natürlich noch anspruchsvolle literarische Comics und versuchen uns an der Adaption phantastischer Romane, wie zum Beispiel „Axtkrieger“ von Alfred Bekker.

Früher galten Comics als Schund bzw. betrachtete man die bunten Heftchen als Kinderkram. Multimedia veränderte das Freizeitverhalten und ebnete den Weg für die Welt der bunten Bilder. Die Einstellung der Leser zu den verschiedenen Spielarten des Comics hat sich dadurch stark geändert. Wirkt sich das gestiegene Interesse an den Comics seit Mitte der 90er auch auf die deutsche Szene aus? Man muß das Wort Szene vorsichtig verwenden, denn es hat hier in diesem Sinne nie eine gegeben, Deutschland hat keinen Comic-Markt wie Japan, Amerika, Frankreich/Belgien.

Zwar haben wir keinen so großen Markt wie in den vorgenannten Ländern, aber das Interesse an Comics ist auch in Deutschland stark gestiegen. Eine deutsche Szene hat sich sehr wohl entwickelt, und präsentiert sich in den letzten Jahren auch vermehrt der deutschen Öffentlichkeit. Alleine, daß die renommierte Frankfurter Buchmesse dem Thema Comic seit zwei Jahren einen großen Platz einräumt, ist sicherlich ein gutes Zeichen. Langsam, aber sicher, setzt sich der Comic als kultureller Bestandteil auch in den deutschen Köpfen fest. Das Germania-Comic-Team bekommt in letzter Zeit übrigens immer wieder Anfragen für Werbecomics oder auch von Geschichtsvereinen, die die Historie ihrer Stadt als Comic präsentieren wollen.

Wer früher in Deutschland Comics zeichnen wollte, konnte seine Werke in der Regel nur in Fanzines veröffentlichen. Für viel Arbeit gab es kein Geld, oft nicht einmal Anerkennung. So manches Talent resignierte rasch, und nur einzelne Künstler wir Dirk Schulz, Jürgen Seebeck, Ralph Ruthe haben den Sprung in die Professionalität geschafft. Die Mitarbeiter renommierter Verlage erzählen, daß sie durchaus geneigt sind, einheimischen Zeichnern eine Chance zu geben, aber oft erweisen diese sich als unzuverlässig und führen ein begonnenes Projekt nicht zu Ende. In Folge sind den Verlagen die Künstler aus dem Ausland lieber; diese haben eine andere Einstellung zu ihrer Arbeit, oft auch ganz andere Arbeitsweisen bzw. eine Arbeitsteilung, während der deutsche Künstler nahezu alles allein machen muß. Welche Fehler begehen die hiesigen Comiczeichner Deiner Meinung nach?

Das größte Problem deutscher Comiczeichner war es bislang, daß sie wirklich nur für sich allein gearbeitet haben. Etwas, was das Germania-Comic-Team ja von Anfang an vermieden hat. Wir haben für jeden Arbeitsschritt einen anderen Mann oder eine andere Frau, die sich weitgehend auch darauf spezialisieren (Story, Skript, Zeichnung, Tusche, Colorierung, Lettering, Umschlaggestaltung). Und wenn mal jemand ausfällt, sorgen wir schnell für Ersatz.
Seit wenigen Jahren kommen aber auch in Deutschland viele Comic-Künstler aus ihren Mäuselöchern und organisieren sich in kleinen Gruppen, um gemeinsam größere Projekte zu verwirklichen. Ich bin da guter Dinge, daß deutsche Comics in Zukunft immer mehr Erfolg haben werden.

Deutschland hat einen nur bescheidenen Kundenkreis für Comics. Die Verlage führen einen harten Konkurrenz-; in vielen Fällen sogar Existenzkampf; einige haben mittlerweile schon wieder aufgegeben. Welche Entwicklung siehst Du für die Zukunft und welche Auswirkungen kann das für das Germania-Comic-Team haben?

 Meine ganz eigene Ansicht ist es, daß sich die deutschen Comic-Verlage, sogar ein Teil der großen, sich bislang viel zu sehr auf die derzeit noch kleine Comic-Szene gestürzt haben. Inzwischen merkt man zwar ein Umdenken bei den meisten Verantwortlichen, aber in Zukunft muß das noch viel mehr werden. Der Markt ist auch da, wo man Comics bisher nicht angeboten hat.
Das Germania-Comic-Team geht zum Beispiel auch auf Veranstaltungen, wo man uns wohl nicht unbedingt vermuten würde: Bauernmärkte, Straßenfeste, Mini-Buchmessen, Kunstausstellungen und anderes. Das schafft uns Presse, Aufmerksamkeit und Aufträge.

Das Germania-Comic-Team hat eine schöne Homepage.

Danke für das Kompliment. Wir geben uns Mühe unseren Lesern auch im Internet etwas zu bieten. Auf unserer Website germania-comic-team.de (Anmerkung: Die Homepage ist aufgelöst) gibt es aktuelle Nachrichten, eine Galerie mit Grafiken einiger unserer Zeichner, dazu Kurz-Comics, Pressemeldungen und Fotos von unseren diversen Aktivitäten. Wir versuchen sie soweit wie möglich regelmäßig zu aktualisieren, wenn es unsere Zeit erlaubt.

Welche Tips würdest Du jungen Talenten geben? Welche Unterstützung kann ihnen das Germania-Comic-Team bieten?

Talent ist nicht alles. Man muß ständig an sich arbeiten, und üben, üben, üben. Vieles ist ja schließlich Handwerk, ob nun im graphischen Bereich oder im sprachlichen. Das lernt man nicht von heute auf morgen. Man braucht viel Geduld und Durchhaltevermögen und darf nicht unbedingt den schnellen Erfolg suchen.
Wir arbeiten an unseren Comics schon über zwölf Jahre und erst jetzt zeichnet sich ein ganz kleiner Erfolg ab. Newcomern, die wirklich Geduld und Fleiß mitbringen, helfen wir gerne weiter. Wer mit uns zusammen wachsen will, ist herzlich eingeladen.

Verrätst Du uns etwas über Eure Zukunftspläne?

Aber gern, denn für die Zukunft ist schon viel geplant. 2002 erscheinen zwei weitere „Windkönig“-Bände, sowie ein literarischer Comic mit Geschichten von Erwin Beitelmann und Zeichnungen von Iris N. Inge. Für 2003 schreiben Markus T. Schönrock und ich die Comic-Adaption von Alfred Bekkers „Axtkrieger“, die von Damir Hamidovic gezeichnet werden soll.
Desweiteren arbeiten wir an unserer zweiten Superhelden-Serie "Germania" und werden uns wahrscheinlich noch einigen phantastischen und auch historischen Stoffen widmen.

Wenn Dir eine gute Fee drei Wünsche gewähren würde – worum würdest Du sie bitten?

 Oh, da bin ich mal ganz egoistisch, und erspare mir die Wünsche in Richtung weltweiter Frieden und so. Ich wünsche mir erstens natürlich, daß das Germania-Comic-Team tatsächlich mit all seinen Projekten richtig Erfolg hat; zweitens, daß ich die Kraft und Muße bekomme, all meine angefangenen Romane und Erzählungen endlich  mal zu Ende zu führen; und drittens ein gesundes und glückliches Familienleben.

Ich bedanke mich vielmals für das freundliche Gespräch. Das ÄON-Team wünscht Dir auch weiterhin viel Erfolg und alles Gute!

Ende März 2002 wird auch ein Fernseh-Interview in den Offenen Kanälen ausgestrahlt. Die Termine der entsprechenden Sendeanstalten werden rechtzeitig auf der ÄON-Homepage www.aeon-team.de bekanntgegeben.

Das Interview mit J. Heinrich Heikamp führte Irene Salzmann per e-mail am 21.11.2001 für das ÄON-Team e.V. Der Erstabdruck erfolgte auf der ÄON-Homepage und in gedruckter Form im ÄON-Intern Nr. 236 im Januar 2002. Das Heft (€ 2.00) und weitere Informationen erhält man bei: ÄON-Team e.V., Martin Brendel, Monschauer Straße 17-19, 58093 Hagen